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Ursprünglich inspiriert von der Ballroom Culture des 20. Jahrhunderts, Cafés, Clubs und Bars, verhandelt mein Kurzfilm die Fragen: Weshalb brauchen wir «Safe Spaces»? Welche Formen können sie annehmen? Und was bedeuten sie für uns? Dabei bezieht sich der Film auf das persönliche Verständnis, das ich während des gesamten Arbeitsprozesses für die Definition des Begriffs „Safe Space“ entwickelt habe.

Kurzfilm von Mindra Theisohn

Artist statement: Mein Körper ist ein Netzwerk von Eindrücken und Erfahrungen, er speichert alles in sich ab. Wenn ich von Albträumen aufwache, dann spüre ich genau diese Last des menschlichen Unterbewusstseins und sie bleibt den ganzen Tag spürbar bis etwas sie auflöst, bis sie aus dem Körper herausdringen. Die Orte und die Praktiken, welche mich den Körper als Netzwerk vergessen und alle meine inneren Netzwerke nach aussen tanzen lassen, der «Antagonist» zum körperlichem Befinden nach einem Albtraum, sind «Safe Spaces.»

Mein Kurzfilm setzt sich mit den Albträumen, den «Anti- Safe Spaces» der Frage: «weshalb wir Safe Spaces brauchen?» auseinander, aber auch mit diesen selbst.

Er ist eine Hommage an Cafés, Clubs, Theater, das Malen, Piercings, die Menschen, die ich Liebe und an alle anderen befreienden Tänze dieser Existenz. Ich bedinge sie alle.  Ich nehme sie auf und ich gebe sie genau gleich wieder ab.

Safe Spaces waren und sind immer noch existenziell essenzielle Räume für uns alle, aber vor allem auch für schutzbedürftige Gruppen; beispielsweise für FLINTA* oder BIPOC. Diese Räume zeigen auch etwas Essenzielles auf. Egal wie oft sie niedergeschlagen wurden, sie blieben bestehen, sie blieben am Leben. Ein Safe Space ist kein ortsgebundener Raum. Er ist ein Raum der Raum schafft. Egal wie verloren wir sind, wie sehr wir uns als Körper spüren, Netzwerke bedingen einander und deshalb finden wir uns gegenseitig immer wieder zusammen.

Prozess

Von der ursprünglichen Themenwahl der «Subkultur» zeichnete sich durch den Rechercheprozess immer mehr das Thema «Safe Space» ab. Mein Arbeitsprozess begann durch Beobachtungen im Café «KWEER», ich skizzierte Merkmale von Räumlichkeiten, Gestiken, Menschen und Symbolen, die mir als Individuum ein Sicherheitsgefühl gaben.

  • storyboard (vorskizzierte szenen)

Ich begann diese alltäglichen Situationen zuerst auf Storyboards und dann mit einer Filmkamera oder spontan mit einer alten Digitalkamera festzuhalten.

Zur Drehzeit bekam ich immer öfters Albträume, diese inspirierten mich zur Suche nach dem „Antagonisten der Safe Spaces“, die Bedingung für die Räume, die in mir das Sicherheitsgefühl wiederherstellen und durch diese wurde mir auch immer bewusster, welche Momente diese Räume bauen. Ich suchte nach einer audiovisuellen Darstellung, die diese Anspannung, die freigesetzt werden muss, verbildlichen könnte.

Die Lichter der «Safe Spaces» sollten warm sein, die des Unbehagens kalt. Ich experimentierte mit verschiedenen Farben.

Sicherheit, Wohlbefinden, Albträume, all diese Räume sind fragil, nicht greifbar und kommen als eine Wellenbewegung vieler einzelner Netzwerke auf uns zu. Das “Verschwimmen” der Elemente, wollte ich mit verschiedenen Effekten darstellen. Der Netzwerkkomplex in After Effects bestand aus schlussendlich über 130 Ebenen.

Anfangs erinnerte der Film noch zu stark an ein Musikvideo, das nahm ihm an Wirkung, deshalb wurde folglich der Fokus auf den Originalton der Aufnahmen (oder das Simulieren von diesem) gesetzt. Das Endprodukt enthält einen Mix von Originalton, Foley und dem Sound eigener Handy Videos. Musik ist ein unglaublich wichtiger und lauter Safe Space, deshalb hat sie es trotzdem, auch wenn nur in abgeschwächter Form, in den Film geschafft.

Die Kreativarbeit ist das Ultimatum der Safe Spaces. Ob alleine oder zusammen, es ist ein Produkt aller inneren und externen Netzwerke, die sich in Netzwerke anderer Materie verformen. Die Materie Film kann Räume schaffen, in welche sich alle Begehren, Eindrücke und Verbindungen wohlig warm wälzen.

Liebe und Hass dem Unterbewusstsein!

Danke an: Leslie Siegenthaler, Ludwig Hoefs, Aino Tschander, Cora Nanut, Féline Schwaninger, Tamara Trueb, Inès Rothfahl, Anna Reichert, Marco von Moos und Delia Schiltknecht

Song Credits: “High to death” – Car Seated Headrest

“Clarity” – Mac Miller