Im Rahmen meines Projekts habe ich mich mit den Menschen beschäftigt, die uns tagtäglich zufälligerweise begegnen. Ich habe verschiedene Orte aufgesucht, an denen sich Leute aufhalten, etwa Parks und öffentliche Verkehrsmittel und habe zufällig ausgewählte Menschen abgezeichnet.
Projekt von Vivianne Pfister
Artist Statement:
Am Anfang meines Projekts war ich vor allem von der Stadt als Netzwerk fasziniert. Schliesslich treffen in der Stadt jeden Tag unzählige fremde Menschen aufeinander, die einander kaum wahrnehmen und sich binnen weniger Sekunden wieder vergessen. Ich habe es mir für dieses Projekt zur Aufgabe gemacht, an verschiedenen Orten der Stadt einige dieser Menschen, die mir begegnet sind, zeichnerisch auf Papier festzuhalten.
Die dabei entstandenen Skizzen sind unterschiedlich stark ausgearbeitet, wobei diese variierende Detailgenauigkeit in der Regel auch ein Hinweis darauf ist, wie lange ich Zeit hatte, die einzelnen Personen abzuzeichnen. Meistens dauerte es nämlich lediglich einige Sekunden bis Minuten, bevor sich die jeweilige Person aus dem Staub machte und ich teilweise mit einer halbfertigen Zeichnung dasass. Gleichzeitig wird so auch nochmal deutlich, dass alle der abgebildeten Menschen lediglich kurze, flüchtige Begegnungen waren. Ich habe keine der Personen je zuvor wahrgenommen, noch habe ich sie, zumindest bis jetzt, irgendwann wiedergesehen.
Was mir rückblickend auffällt, ist, wie die verschiedenen Menschen je nach Situation Ähnlichkeiten aufweisen. So tragen die meisten Leute des ersten Tages eine Mütze oder Kapuze, während die Menschen des dritten Tages, an welchem ich gezeichnet habe, beinahe ausschliesslich lächeln. Der Irchel bei Regen ist natürlich nicht mit dem Sechseläutenplatz an einem sonnigen Nachmittag zu vergleichen, was man den Skizzen gut ansehen kann.
Prozess:
Für die Skizzen habe ich verschiedene Orte in Zürich aufgesucht, wie etwa den Irchelpark, den Sechseläutenplatz oder das Zürichseeufer. Dort habe ich mich meistens auf einer Bank oder etwas Ähnlichem niedergelassen und mit dem Zeichnen begonnen. Dazu habe ich in ein Skizzenheft und Bleistifte benutzt.
Bei der Wahl der zu zeichnenden Menschen hatte ich keine besonderen Punkte, auf die ich mich geachtet hätte, sondern habe ich vor allem die Menschen abgezeichnet, die sich dazu anboten, weil sie gerade am Sitzen waren und vielleicht sogar zu abgelenkt waren mich während dem Zeichnen wahrzunehmen. Manche Personen sind mir aber auch einfach ins Auge gestochen, woraufhin ich sie abgezeichnet habe.



Ursprünglich waren die Skizzen kein besonders bedeutender Teil meines Projekts, da ich geplant hatte, anhand der Skizzen später Gouachebilder der Personen auszuarbeiten. Einige der Personen habe ich tatsächlich auch noch einmal mit Gouache verewigt. Das ist auch der Grund, weshalb bei den anfänglich abgezeichneten Personen Hinweise auf Farben zu erkennen sind. Grundsätzlich habe ich auch gerne mit Gouache gemalt, ich habe aber feststellen müssen, dass es mir schwerer fiel, die Gesichstsausdrücke treffend wiederzugeben. Zudem dauerte es auch länger, die einzelnen Personen mit Gouache abzumalen. Aus diesen Gründen sind die allermeisten der Skizzen in diesem Zustand geblieben.

Was mir in dem Prozess bis zum Schluss schwergefallen ist, war, in der Öffentlichkeit Leute abzuzeichnen. Nicht nur glaube ich, manchmal aufgeflogen zu sein und dadurch auch den ein oder anderen missmutigen Blick geerntet zu haben, ich habe auch das Gefühl, dass man mit einem Stift und einem Block in der Hand einfach mehr auffällt.